wale in japan

Okinawas Aquarium

Teil 3: Ideenlos

An einem regnerischen Tag in Naha mit Kind bleiben einem fast nicht viele Möglichkeiten. Die Insel bietet einige «Indoor-Attraktionen», doch liegen diese alle im Norden der Insel.

Wir haben uns für das gut bewertete Okinawa Churaumi Aquarium entschieden. Um dahin zu kommen, blieben uns nur die öffentlichen Verkehrsmittel. Der Überlandbus braucht ca. 3 Stunden, wobei einmal umgestiegen werden muss. Beim uniformierten Busfahrer kann beim Einsteigen ein Ticket gezogen werden, auf welchem die Zahl der Zone gedruckt ist, in welcher man eingestiegen ist. Vorn an den Monitoren kann man verfolgen, welcher Preis für die zurückgelegte Strecke fällig wird und diesen beim Aussteigen dem Fahrer bezahlen.

Abgesehen davon, dass die Busse an sich schon lange unterwegs sind, sind sie anfällig auf Verkehrsstörungen. Die Busfahrt führt einen quer über die Insel. Es geht vorbei an hügeliger Landschaft, welche von dichtem grünen regenwaldartigen Wäldern mit Palmen und exotisch blühenden Bäumen bedeckt sind. Ab und zu kann man auf Lichtungen kleine Felder sehen auf welchen vielleicht Reis angebaut wird. Die grossen und kleinen Ortschaften hinterlassen alle denselben Eindruck: man scheint kein Gespür für Ästhetik zu haben oder keinen Wert darauf zu legen. Vieles scheint verwahrlost oder zumindest in die Jahre gekommen. In den Ort sind viele Läden alt und verlassen. Daneben ein hippes Szenelokal oder ein neu eröffnetes Café. Auch die Bauweise ist in unseren Augen ideenlos: beton dominiert, extravagantes, ausgefallenes oder einfach Schönes mit Charme sucht man fast vergebens.

Dieser Eindruck bestätigt sich auch bei der Ankunft am Aquarium. Den schlichten Aussenbereich hat man erfolgreich mit duzenden von Blumen aufgewertet, mit welchen man Formen und Muster auf den breiten Treppen zum Aquarium hinunter gestaltet hat. Die Lage oberhalb des Meeres ist eigentlich einmalig. Man hat eine wunderschöne Sicht und eine leichte Brise lässt einen tief einatmen. Der Bau selbst besteht aus grauem Sichtbeton und ist schon etwas in die Jahre gekommen. Die Anzahl der Fischbecken ist überschaubar und die vielen schönen Fische lenken davon ab, dass sie meist sehr kleinen, alt und ohne Phantasie oder gar nicht gestaltet sind.

Zweifellos eine Attraktion sind die Walhaie – die grössten Fische der Erde welche bis zu 13m gross werden können. Diese gigantischen Tiere hinter der riesigen Glasscheibe ihre Runden drehen zu sehen, ist durchaus beeindruckend und ein Erlebnis. Jedoch ist auch ihr Becken dafür, dass sie derartige Ausmasse haben, zu klein und leider überhaupt nicht gestaltet. So mischt sich unweigerlich unter die Faszination auch Mitleid, Enttäuschung und Wut.
Noch schlechter geht es den Seekühen und Schildkröten. Diese möchte man sich eigentlich gar nicht mehr anschauen…

walhaie okinawa

Wir gehen sehr gerne in Aquarien und haben schon auf der ganzen Welt welche besucht. Es waren wunderschön, fantasievoll und vor allem artgerechte in Kopenhagen, Vancouver, Stralsund oder Dubai dabei, welche zudem lehrreich waren. Dieses hier profitiert von seiner Stellung als eins der wenigen Sehenswürdigkeiten bei Schlechtwetter auf Okinawa sowie überzähligen erstaunlicher Weise guten Bewertungen, welche einen recht täuschen.
Bevor es mit dem Bus zurück nach Naha geht, entscheiden wir uns noch etwas zu uns zu nehmen: eine japanische Nudelsuppe und ein Reisgericht. Das Essen rundet den Eindruck des heutigen Tages ab: ideenlos.

Teil 2
Teil 4