Gastfamilien in Australien

Gastfamilie in Sydney

Das Land unserer Träume erreichten wir nach einem endloslangen Flug im Morgengrauen. Mit dem Erwachen der Stadt kämpften wir uns mit Bahn und Taxi (um die richtige Busverbindung ausfindig zu machen, reichte es an diesem Morgen nicht mehr) in der beginnenden Rushhour zu unserer ersten Unterkunft: eine Gastfamilie im Stadtteil Peddington, welche wir über die Sprachschule arrangiert bekommen hatten.

Unsere Aufregung bei der Ankunft wurde uns von der netten Gastfamilie genommen, welche uns sehr herzlich empfing. In dem lebhaften Stadthaus lebte die Familie mit drei Kindern (3 bis 9 Jahre), einem weiteren Sprachschüler sowie einem Freund der Familie. Wir waren sofort mittendrin, konnten uns jedoch auch jeder Zeit in unser Zimmer zurückziehen.

Das Haus war einfach und etwas alternativ eingerichtet, hier und dort erinnerten indischen Accessoires oder Fotografien an die Abstammung der Gastfamilie. Wie in dieser Unterkunftsform üblich, hatten wir ein eigenes Zimmer. Die Küche mit Wohn- und Essbereich und das Bad wurden von allen Bewohnern geteilt. Wir durften Wachmaschine und Trockner benutzen und haben morgens und abends, manchmal auch am Mittag eine Mahlzeit bekommen.

Überraschend war für uns, dass die Häuser in Australien so schlecht wärmeisoliert und der August in Australien so kalt sein kann. So haben wir als Europäer öfter Zeit vor dem einzigen Radiator verbracht, als die Einheimischen, denen die niedrigen Temperaturen weniger auszumachen schienen. Wie froh waren wir morgens, wenn wir mit einer warmen Portion Porridge in den Tag starten konnten.

In der Regel wurde am Abend gemeinsam mit der Gastfamilie am großen Esstisch eine warme Mahlzeit eingenommen. In fröhlicher Runde wurde der Tag ausgewertet und wir bekamen einen tollen Einblick in den Alltag und das lockere Leben der Australier. Wir haben unsere typisch australische Gastfamilie als unkompliziert und hilfsbereit empfunden: waren wir nach einer erhaltenen Wegbeschreibung noch etwas unsicher, zeigte uns eines der Kinder gern spontan barfuß die ersten 200m, bis wir den Weg nicht mehr verfehlen konnten. Grundsätzlich geht man mit fast allem sehr locker um: wenn das 2jährige Kind über den gedeckten Tisch krabbelt oder der älteste Sohn während alle noch schlafen im Gang leise Skateboard übt, ist das kein Grund für Aufregung. Ebenso locker wurde es auch häufig mit den Essenzeiten oder dem Putzen gehalten, woran wir uns mit unsrer europäischen Exaktheit nur langsam gewöhnen konnten.

Der große Freundeskreis der Familie wurde freitags zu „Pizza-Partys“ eingeladen. Auch wir durften Freunde dazu einladen oder haben den Abend genutzt, um unser Englisch testen und Ideen und Tipps für Ausflüge und unsere weitere Reise zu holen.

Die lockere australische Lebensweise mit ihrer Offenheit, Freundlichkeit, Geselligkeit, Hilfsbereitschaft und Gastfreundlichkeit hat uns während der 4 Wochen beeindruckt und inspiriert.

Gastfamilie Noosa

Auch in Noosa haben wir für die 4 Wochen Sprachschule die Unterkunftsart Gastfamilie gewählt. Diesmal war es keine typische Familie, sondern zwei befreundete Frauen, mit denen wir das Einfamilienhaus in einer Siedlung in Noosa Heads teilten. Hier hatten wir ein eigenes Zimmer mit Bad und teilten uns Küche sowie den Ess- und Wohnbereich. Auch die Waschmaschine durften wir benutzen. Besonders die große Terrasse, welche sich fast um das ganze Gebäude zog, haben wir genossen. Hier konnte man zu jeder Tageszeit ein schattiges Plätzchen finden und in den angrenzenden Bäumen pfiffen Papageien ihre exotischen Lieder.

Das Zusammenleben gestaltete sich hier eher wie in einer WG als in einer Familie, da sich jeder unabhängig von den anderen seien Mahlzeiten zubereitet und einnahm. Das Frühstück wurde ebenfalls von der Gastfamilie gestellt, für den Rest kamen wir selbst auf.

Genau wie unsere Gastfamilie in Sydney, genoss man hier ausgiebig den Feierabend und die Freizeit. Während in Sydney Strand, Surfen und Ausflüge im Vordergrund standen, liess man es in Noosa noch entspannter angehen und chillte mit Vorliebe bei einem Glas Wein. Auch sonst war wieder alles sehr locker: wir wurden mehrfach daran erinnert, dass dies momentan unser „zu Hause“ ist und wir entspannt und selbstverständlich alles nutzen können.

Shared House Melbourne

Wenn man länger auf Reisen ist, kommt irgendwann die „Reisemüdigkeit“. Der Drang ständig neues zu sehen weicht dem Wunsch nach einer Art Alltag. Wir haben uns dazu entschieden in Melbourne ein paar Monate zu verbringen und, falls es sich anbietet, auch etwas zu arbeiten.

Um längere Zeit an einem Ort zu verweilen eignet sich das mieten eines möblierten Zimmers von privater Hand. Uns war zumindest die Unterkunft im Hostel irgendwann zu teuer und die Zimmer dort zu unpersönlich um uns nieder zu lassen.

Über eine Anzeige im Internet haben wir ein Zimmer in einem über hundert Jahre alten Reihenhaus im Stadtteil Brunswick gefunden. In diesem Haus wohnte Alan, ein Schriftsteller, der für verschiedene australische Zeitungen schreibt und dessen Kinder inzwischen alle aus dem Haus sind. So vermietet er zwei seiner Zimmer und hat somit wieder jede Menge Leben und Gesellschaft im Haus.

Unser Zimmer war geräumig und mit einem großen Bett, einem Schreibtisch, einigen Schränken sowie einem Balkon ausgestattet. Neben der üblichen Einrichtung stand uns auch das Musikzimmer (mit Klavier, Schlagzeug, Gitarre und Kontrabass war für jeden was dabei) sowie der Hinterhof mit BBQ zur Verfügung. Das Haus war sauber und ordentlich, wenn auch etwas alternativ. Da Alan viel reiste und auch Kleinflugzeug flog, waren überall im Haus Fotografien von seinen Reisen, vorrangig ins Outback, zu bestaunen. Wie wir auch schon in Sydney erlebt hatten, gab es in den Räumen keine Zentralheizung. Hier war jedoch jedes Zimmer mit einem offenen Kamin ausgestattet. So hat es sich durch (un?)günstige Witterungsbedingungen ergeben, dass wir im Dezember vor offenem Kaminfeuer dinierten. In Australien ist das für diese Jahreszeit sehr unüblich, für unsere Adventsstimmung war es jedoch perfekt.

Auf Reisen haben wir recht schnell festgestellt, dass es für uns mit das Reizvollste ist, so viele unterschiedliche Menschen aus wirklich aller Welt zu treffen. Alle haben eine andere Geschichte zu erzählen, haben andere Reiseerfahrungen und Ziele. Jeder hat einen anderen Hintergrund, warum er auf Reisen und warum in Australien ist. Die Begegnungen mit den Menschen waren prägend und haben für uns das Reisen neben der Faszination Natur ausgemacht.

Bei Alan im Haus gehen unwahrscheinlich viele Menschen ein und aus: Freunde, Familie, Arbeitskollegen… fast immer endet so ein Besuch in einem BBQ in fröhlicher Runde, zu welchem wir jedes Mal herzlich eingeladen waren.

Außerdem war das zweite zu vermietende Zimmer, fast immer besetzt: erst eine ältere Lady aus Neuseeland, später ein flippiges Pärchen aus Schottland und letztendlich ein Mädchen aus Sydney, welches in Melbourne ihren ersten Job bei einer Behörde gefunden hatte.  Alle waren offen und freundlich und eine Bereicherung für unsere WG.

Alans Gastfreundschaft gipfelte darin, dass er uns Weihnachten mit zum großen Weihnachtsessen aufs Land zu seiner Familie nahm. Zusammen mit seinen Eltern, Geschwistern, Nichten und Neffen wurde ein Weihnachts-BBQ veranstaltet und Geschenke ausgepackt. Wir waren die ganze Zeit herzlichst willkommen und brauchten uns kein Bisschen fehl am Platz zu fühlen. Selbst als es Geschenke gab, waren wir voll integriert und staunten nicht schlecht, dass Santa auch für uns eine Geschenketüte dagelassen hatte.

Dass man Empfehlungen für und Einladungen von Familienmitgliedern erhält, ist in Australien nichts Ungewöhnliches. Und so haben wir auch die Gastfreundschaft von Alans Vater und von seinem Cousin auf unseren Ausflügen ins Umland genießen können.