French Island – Radtour mit Koalas

Derzeit erleben wir hier in Melbourne einen Temperaturrekord, welcher schon Jahrzehnte nicht mehr erreicht wurde. Das bedeutet, dass wir es mit Temperaturen über 40 Grad zu tun haben, welche auch nachts nicht wesentlich unter 30 Grad sinken.
Normaler Weise hält man sich bei diesen Temperaturen im klimatisierten Innenraum auf und versucht jede überflüssige Bewegung zu vermeiden. Wir hingegen haben eine Fahrradtour geplant (zu unserer Verteidigung: da wussten wir noch nichts von diesen Temperaturen!

Alan hat im Schuppen hinterm Haus zwei Fahrräder stehen, welche nach kleineren Reparaturen durchaus brauchbar erschienen. Wir hatten außerdem den Plan French Island zu erkunden, was aufgrund fehlenden öffentlichen Nahverkehrs am besten per Fahrrad möglich ist. Also haben wir uns umgehend dran gemacht die Räder wieder in Schuss zu bringen. Letztendlich stand uns für unser Tour eine Kreuzung aus Rennrad und Citybike (Rennrad mit Körbchen – nicht unsere Schuld) und eine Kreuzung aus Mountain Bike und Rennrad (durchaus unsre Schuld ) zur Verfügung.

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 Am Dienstag machten wir uns also mit unseren Rädern auf den Weg nach Mornington Peninsula, einer Halbinsel südlich von Melbourne. Hier hatten wir die Möglichkeit 2 Nächte bei Jack, Alans Vater zu übernachten. Wir waren total glücklich über dieses Angebot, denn zum einen legt die Fähre nach French Island nur unweit von Jacks Wohnort ab und zum anderen ist Jack ein sehr netter und total lustiger Mann mit einer beeindruckenden Muschelsammlung. Der Aufenthalt bei ihm war also durchaus eine Bereicherung unsres Ausflugs.

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Am Mittwoch stand also French Island auf dem Programm. French Island war früher eine Gefängnisinsel, auf der es heute außer endlosen Schotterpisten, vereinzelten Häuschen, Farmen und jeder Menge Natur an sich nicht viel gibt. Das entscheidende war, dass es auf dieser Insel eben auch Koalas gibt, und wir wollten es uns auf keinen Fall nehmen lassen, sie dort (be)suchen zu gehen! Auf der Fähre bekamen wir einen Übersichtsplan in die Hand gedrückt und dann konnte es los gehen. Glücklicher Weise kamen wir schon gegen halb 9 auf der Insel an, so dass wir einen großen Teil unserer Tour noch vor der Mittagshitze bestreiten konnten. Das vorankommen auf den staubigen, ausgefahrenen Wegen war nicht ganz unproblematisch, da sich Rennräder im Sand nicht ganz so gut machen.

Aber wir waren umgeben von schöner Natur und hatten ein tolles Ziel vor Augen, so dass darüber hinweg gesehen werden konnte. Und irgendwann war es dann soweit, wir entdeckten den ersten Koala in einem Eukalyptusbaum am Wegesrand. Es ist jedes mal ein wundervolles Ereignis, wenn man einen Koala in freier Wildbahn beobachtet. Meist sitzen sie nur ganz ruhig da und schauen verschlafen auf einen runter. Wir waren jedenfalls total glücklich, denn wir konnten alles in allem 7 Koalas entdecken!

Bevor es dann mit der Fähre zurück ans Festland ging gab es aber noch ein wohl verdientes und erfrischendes Bad in den kühlen Fluten. Etwas beunruhigt waren wir nur, als wir anschließend vermutlich einen ueber 1m grossen Rochen im Wasser gesehen haben. Aber die Locals sagen dazu nur, dass man ihnen halt nicht zu nahe kommen sollte…

Am dritten Tag unserer Fahrradtour stand die Rückreise nach Melbourne an. Der Wetterbericht sagte wieder rekordverdächtige Temperaturen voraus, so dass wir lediglich planten das erste Stück bis an die Port-Phillip-Bay mit dem Zug zu fahren und anschließend zu schauen wie weit wir mit dem Fahrrad kommen. Wie auch am Tag zuvor war das Radfahren in den Morgenstunden noch recht erträglich. Und glücklicher Weise führte unser Weg vorbei an herrlichen Sandständen, so dass wir immer mal wieder Pausen einlegen konnten und uns im Meer abkühlten.

Als die Sonne doch zu heiß wurde legten wir das restliche Stück wieder per Zug zurück und mussten nur die letzten Kilometer auf Grund von Zugstreichungen mit dem Rad fahren. Was uns auf dieser Strecke erwartete, hatten wir noch nie erlebt. Es war, als ob einer mit einem Föhn vor uns her fuhr, um uns damit permanent ins Gesicht zu blasen. Es war unfassbar, aber der Fahrtwind kühlte nicht, er brannte auf der Haut. Die Abstände unserer Pausen wurde immer kürzer und die Farbe unserer Gesichter immer röter. Wir waren heil froh, als wir dann endlich hier in unserem temporären zu Hause ankamen, auch wenn wir feststellen mussten, dass es bei diesen Temperaturen auch im Haus durchaus nicht mehr wirklich angenehm ist.

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